Archiv für den Monat: Oktober 2009

Die Hafenschänke


Bereits beim Beginn unserer Exkursionen nach Geesthacht um den Baufortschritt der kleinen Siedlung Im Pappelwäldchen und speziell des Elbe-Penthouse zu verfolgen, weckte eine Kneipe unten am Wasser unser Interesse, die Hafenschänke. Wasserseitig ist sie mit einer Terrasse ausgestattet, die im Sommer dazu einlädt, draussen zu sitzen. Strassenseitig wird der Einblick in den Gastraum mittels Fadenvorhängen an den Fenstern getrübt. Verschämt hatten wir auf diversen Spaziergängen mal versucht, einen Blick in den Innenraum zu erhaschen, was aber nahezu unmöglich war. Hafenschänke – das hört sich ein wenig verrucht an. Aber wenn es das wäre, hätten wir sicher davon gehört. Trotzdem – die Hafenschänke, wintertags in Sichtweite aus dem Elbe-Penthouse, hatte unsere Neugier und die unserer Nachbarn geweckt. Seit langem sprachen wir darüber, dort ein mal einzukehren.

Gestern Abend war es endlich soweit. Mit 6 Personen, also Bernd und ich, unsere direkten Nachbarn und die Nachbarn aus dem Haus gegenüber, fielen wir in der Hafenschänke ein, gewillt eine Kleinigkeit zu essen und ein Bier zu trinken. Die Bedienung wirkte anfangs etwas unterkühlt-zurückhaltend, aber nicht unfreundlich, als sie uns nach unseren Wünschen fragte. Wir wollten Bier. Wein in dieser Umgegebung wäre irgendwie unpassend gewesen. Zu unserer Überraschung wird hier noch ein echter halber Liter angeboten, wovon wir Männer natürlich gebrauch machten. Da wir eine Kleinigkeit essen wollten, fragten wir nach der Karte. Bratkartoffeln mit diversen Beilagen (z.B. Spiegelei, Matjes, Sauerfleisch), Bauernfrühstück, Currywurst mit Pommes weckten unseren Appetit. Die Meisten von uns entschieden sich für die Currywurst, einer der Nachbarn bestellte das Bauernfrühstück. Es dauerte natürlich eine Weile, bis uns das Essen serviert wurde. In einer kleinen Gaststätte kann man nicht erwarten, dass das Essen für 6 Personen schnell auf den Tisch kommt. Während der Wartezeit hatten wir den ersten halben Liter Bier bereits vertilgt.

Sehr gespannt waren auf die bestellten Kleinigkeiten – und wir waren sehr positiv davon angetan. Die Pommes waren kross, zur Currywurst gab es eine pikante Sauce, das Bauernfrühstück sah auch sehr lecker aus. Die Bedienung taute langsam auf, als sie nach dem Essen nach einem „Kleinen hinterher“ fragte und ich gern einen Rum haben wollte. Ist doch logisch, dass man in einer Hafenschänke Rum trinken muss. Mir wurde dann etwas ganz spezielles gereicht: Ein weisser Rum aus Maurtitius. Bislang hatte ich gar nicht gewusst, dass es aus der Gegend der Erde überhaupt Rum gibt. Bernd wollte gleich probieren – und war sehr positiv beeindruckt, worüber ich sehr verwundert war weil er eigentlich Rum nicht mag. Gespannt nahm ich den ersten Schluck. Eine milde Flüssigkeit umspülte Zunge und Gaumen. Der typische Rumgeschmack war kaum wahrnehmbar. Eine echte Überraschung hatte ich das vor mir im Glas – und das in einer Kneipe namens Hafenschänke in der kleinen Stadt an der Elbe.

Nach dem dritten halben Liter und einem schlüpfrigen Witz hatten wir genug und verlangten nach der Rechnung, die wir durch 3 Teilen wollten. 80 lässt sich schlecht durch 3 teilen, zumal wir aufgrund der vertilgten Biermenge nicht mehr so richtig der Mathematik mächtig waren. Kurzentschlossen packten wir 10 Euro Trinkgeld obendrauf, was die uns bedienende Dame gar nicht so richtig registrierte und das Geld zurückgeben wollte. Wir mussten sie fast überreden, das Geld anzunehmen.

Uns hat’s allen gefallen in der Hafenschänke. Endlich wissen wir, wie es drinnnen aussieht und dass es eine ganz normale Kneipe ist, mit viel seefahrtsbezogenem Schnickschnack an den Wänden. Es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir dort das Wochenende eingläutet haben. Nächstes Mal ess ich dann auch Bauernfrühstück. Oder Bratkartoffeln mit Sauerfleisch?